Ist die schnelle Erholung der Wirtschaft Lateinamerikas nachhaltig?

Die wirtschaftlichen Aktivitäten in einigen wichtigen Märkten Lateinamerika legen in einem Tempo zu, das vor Kurzem nicht möglich schien. Doch Prognosen bleiben schwierig: Die Bevölkerung ist mit zwei Ausnahmen noch wenig geimpft, neue Virus-Varianten können sich schnell ausbreiten. Auch die politischen Spannungen halten an.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

„Kein swoosh, sondern ein V“ erwartet die Investmentbank JP Morgan für die Erholung Lateinamerikas in diesem Jahr: Nach -6,6 % (2020) rechnen deren Ökonomen jetzt mit +6,4 % (2021) Zuwachs. Das erstaunt: Denn weiterhin ist Lateinamerika weltweit die Region, die am stärksten von der Pandemie betroffen ist. Zwar sinken die Infizierungen und Todesfälle in allen Ländern, doch das Niveau bleibt im weltweiten Vergleich hoch.

Bei den Impfungen sind die Staaten zuletzt gut weitergekommen. Sie liegen jedoch im internationalen Vergleich deutlich zurück. Kein Land hat mehr als ein Fünftel seiner Bevölkerung zweimal geimpft – mit der Ausnahme von Uruguay und Chile. Dort sind rund 60 % der Menschen vollständig immunisiert. Die Delta-Virus-Variante beginnt sich erst jetzt in Lateinamerika auszubreiten.

Die Wachstumsprognosen fallen insgesamt positiv, aber unterschiedlich aus. Am positivsten überraschen die erneut aufgebesserten Vorhersagen in den zwei größten Volkswirtschaften der Region: In Mexiko (+6,8 %) und Brasilien (+5,5 %) dürften die Konjunktur so stark anziehen, dass die Wirtschaftskraft in den nächsten Monaten bereits das Vor-Pandemie-Niveau erreichen könnte.

Auch in den Andenländern ist die Erholung im Gange, aber der weitere Verlauf ist ungewiss: Vor allem die politischen Unruhen in Kolumbien (erwartetes Wachstum für dieses Jahr: +7,5 %) haben dort im Mai für eine Unterbrechung der Verarbeitungsketten gesorgt. In Peru verunsichert die Wahl des Linkspräsidenten Pedro Castillo die Unternehmen. Dort wird trotz der hohen Prognose von +10,8 % in diesem Jahr eine Erholung der Aktivitäten auf den Stand vor der Pandemie erst Anfang nächsten Jahres erwartet.

Auch in Chile sorgen die unklaren Aussichten in der Politik (Wahlen im November und Verfassungsgebende Versammlung) für eine erwartetes Wachstum von nur +8 %. Argentinien wird sich auch mit einer prognostizierten Erholung von +6,3 % in absehbarer Zeit nicht von seiner Wirtschaftskrise erholen, welche die Pandemie noch verstärkt hat. Das argentinische BIP ist vergangenes Jahr um fast -10 % geschrumpft, nach bereits mehreren Rezessionsjahren.

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist die in den meisten Ökonomien zunehmende Inflation. Wird sie – wie einige Ökonomen erwarten – gegen Jahresende bereits wieder schwächer werden, also temporär bleiben? Oder werden die hohen Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise anhalten, deren Preissteigerungseffekte durch die schwachen Wechselkurse in Lateinamerika noch verstärkt werden?

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Chinas politischer Einfluss in Brasilien wächst

In Europa wird Brasilien vor allem wegen der Umwelt- und Amazonaspolitik der Regierung Bolsonaro kritisiert. Ein Dialog findet kaum mehr statt. China nutzt die Lücke und bekommt über die Nachhaltigkeitsagenda immer mehr Einfluss in Brasilien.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

In Brasilien häufen sich in den letzten Monaten die offiziellen Seminare zum Thema Nachhaltigkeit. Teilnehmer sind Vertreter von Staat, Regierung, Privatunternehmen und Verbände. Es geht um Nachhaltigkeit in den Handelsbeziehungen, zertifizierte Handelsketten bei Agro und Lebensmitteln, Dekarbonisierung der Wirtschaft, organische Lebensmittel und sogar über Reduzierung der Brandrodungen in Amazonas wird debattiert.

Das ist überraschend in einem Land wie Brasilien, wo gerade die Umwelt- und Regenwaldpolitik der Regierung im Zentrum der Kritik stehen. Ebenso überraschend ist, dass unter den ausländischen Teilnehmern bei diesen Debatten erstmals massiv China auftritt: Mit hochrangigen Ministern, Bankern und Vertretern der Akademie. Europäer sind – bis auf die Privatwirtschaft – kaum noch vertreten. Dabei gehört Nachhaltigkeit zu den Kernthemen der bilateralen Agenda zwischen Europa und Brasilien. Doch das ist Vergangenheit.

Inzwischen vergeht kaum eine Woche, in der Brasilien in Europa nicht an den Pranger gestellt wird. Dabei geht es vor allem um die Umwelt- und Amazonaspolitik Bolsonaros. Die Kritik trifft durchaus zu. Doch stellt sich die Frage, ob Europa überhaupt noch einen Dialog mit Brasilien will. Vielmehr scheint es, dass Europa gegenüber Brasilien die Türen zugeschlagen hat.

Diese Lücke nutzt Peking jetzt geschickt. Chinas Diplomaten haben eine Dialog-Offensive zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit gestartet.

Das ist strategisch klug. Denn die Großmacht aus Asien ist neben der USA und Europa der wichtigste Handelspartner Brasiliens und zunehmend einflussreich als Investor. Doch auch zwischen China und Brasilien knirscht es in den Beziehungen. Präsident Bolsonaro und einige seiner Vertrauten kritisieren China regelmäßig.

Doch davon unbeeindruckt arbeiten Chinas Diplomaten gemeinsam mit Vertretern der Regierung und Wirtschaft Brasiliens an einer neuen Nachhaltigkeits-Agenda. Dafür bietet China Finanzierungen an und will einen permanenten institutionalisierten Informationsaustausch zwischen den Staaten einrichten. Der soll auf allen Ebenen stattfinden, zwischen Regierungen, Unternehmern, Agro und Konsumenten. Wie zu erwarten, werden Themen wie Indigenenschutz oder Menschenrechte dabei nicht diskutiert. Aus Brasilien sind zahlreiche hochrangige Vertreter aus Unternehmen, Ministerien und Forschungsinstituten beteiligt. Das sind die Ansprechpartner, die sich jede EU-Delegation in Brasilien als Dialogpartner wünschen würde.

Doch ab jetzt redet China in Brasilien bei den Themen Umwelt, Konsumentenschutz und Nachhaltigkeit mit und bestimmt mit über die künftigen Normen und Regeln im dekarbonisierten Warenaustausch.

Über die Nachhaltigkeitsthemen bringt China geschickt seine politisch-technologische Agenda in die bilaterale Diskussion ein. Stichwort: Huaweis Beteiligung am 5G Netz. Denn wer kann gegen schnellere Handynetze sein, wenn diese Smart-Farming ermöglichen oder beim Aufbau zertifizierter, nachhaltiger Lieferketten helfen?

Europa sollte aufpassen, dass es wegen der fehlenden Dialogbereitschaft nicht vollends den Einfluss in Brasilien verliert.

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Steigende Lebensmittelpreise erhöhen in Südamerika das Protestrisiko

Die Region ist einer der wichtigsten Lieferanten des Weltmarktes für Agrarprodukte – und dennoch erlebt die Bevölkerung dort die höchsten Lebensmittelpreissteigerungen weltweit. Der Grund: Die Farmer exportieren ihre Produkte, deren Preise sind in Dollar quotiert. Die Preise in Real und Peso für Lebensmittel erhöht das zusätzlich.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Die südamerikanischen Farmer haben in den letzten Monaten eine Rekordernte eingefahren und konnten entsprechend mehr nach China exportieren, dem wichtigsten Abnehmer für Soja, Hühnerfleisch und Mais aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Für die Konsumenten in diesen Ländern ist das jedoch kein Trost: Denn die Preise für Bohnen, Reis, Zucker und Pflanzenöle, aber eben auch für Fleisch von Rind, Geflügel und Schwein sind im Mai so stark gestiegen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. In Argentinien hat die Regierung deswegen die Rindfleischexporte verboten, um die Unterversorgungen und Preisanstiege zu bremsen. Genutzt hat es wenig.

Der Grund für die hohen Preise sind einerseits auf der Angebotsseite die schwere Trockenheit in Brasilien, welche die Produktion verringern wird. Zudem lassen die hohen Ölpreise auch wieder Biodiesel und Ethanol attraktiv werden. Die Farmer verkaufen ihren Mais oder Soja an Energiekonzerne, welche die Saaten in Biodiesel umwandeln. Zuckerkonzerne produzieren Ethanol statt Zucker. Das Dilemma „Tank oder Teller“ bekommt eine neue Aktualität.

So besteht in Südamerika ein Paradox: Der Kontinent ist der wichtigste Lebensmittellieferant für den Weltmarkt – doch seine eigene Bevölkerung kann sich diese immer weniger leisten. Die Tendenz ist, dass die Preissteigerungen erst noch richtig zunehmen werden – nämlich dann, wenn die Produzenten ihre Preiserhöhungen für Treibstoffe und Agrarprodukte an die Konsumenten weitergeben werden. 2020 konnten die Farmer noch bei fast gleichen Kosten wie zum Vorjahr produzieren. Doch nun sind die Preise für Pflanzenschutzmittel, Dünger und Diesel kräftig gestiegen.

Bereits jetzt bezahlen die Südamerikaner noch mehr für Lebensmittel als andere Bevölkerungen: Ihre Währungen sind schwach gegenüber dem Dollar. Aber Agrarrohstoffe werden, wie auch Energie und Industrierohstoffe, in Dollar gehandelt. Auf die gestiegenen Preise bezahlen die Konsumenten in São Paulo und Buenos Aires noch einen Wechselkursaufschlag.

Für die Regierungen in Südamerika ist das ein explosives Gemisch: Preiserhöhungen wie für Mais in Mexiko oder in den Andenländern haben bereits 2007 und 2010 zu Revolten geführt. Schon jetzt demonstrieren die Menschen in Ecuador, Kolumbien, aber vor kurzem auch Peru, Bolivien und Chile für bessere Leistungen vom Staat und mehr soziale Gerechtigkeit. Durch die Pandemie sind viele Südamerikaner aus der Mittelschicht abgestiegen in die Armut. Selbst im reichen Brasilien grassiert wieder der Hunger – der eigentlich schon längst besiegt schien.

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Mexikos und Brasiliens Präsidenten und ihr Verhältnis zur Wirtschaft

Seit zweieinhalb Jahren sind in Brasilien und Mexiko Populisten am Ruder. In Brasilien regiert der rechte Ex-Militär Jair Bolsonaro. In Mexiko ist es der linke Berufspolitiker Andrés Manuel López Obrador. Anlass für ein Zwischenfazit.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Mexiko und Brasilien sind die zwei wichtigsten Standorte der deutschen Industrie in Lateinamerika. Dort leben etwa 340 Millionen Menschen, also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung Lateinamerikas. Sie produzieren rund knapp zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes der Region. Während deutsche Unternehmen in Brasilien vor allem den großen lokalen Markt beliefern, nutzen sie Mexiko vor allem als Exportplattform in die USA, aber auch weltweit.

Seit rund 30 Monaten sind in beiden Ländern populistische Präsidenten an der Macht. Obwohl sie ideologisch an den zwei Extremen des politischen Spektrums angesiedelt sind, regieren sie inhaltlich doch ziemlich ähnlich. Sowohl der linke López Obrador wie der rechte Bolsonaro haben wenig Respekt vor Gewaltenteilung, demokratischen Institutionen oder den Medien. Sie haben ihre Gesellschaften weiter gespalten. Wer nicht bedingungslos für sie ist, der ist ein Feind und wird diffamiert. Sie regieren beide am liebsten mit den Militärs. Obrador lässt sie in Mexiko Eisenbahnlinien bauen, Häfen verwalten und gegen die Drogenmafias kämpfen. Bolsonaro hat 6000 Militärs in Staatsämter und -unternehmen geholt. In seinem Kabinett sind sie in der Mehrheit. Umwelt- oder Klimafragen empfinden beide Politiker als lästig.

Doch sie pflegen einen anderen Stil: Während Bolsonaro gesellschaftspolitisch teilweise klar reaktionär und antidemokratisch auftritt – und damit ständig im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, auch im Ausland – ist auch der Linke Andrés Obrador überraschend konservativ. Doch das hängt er – wie auch seine autokratischen Vorlieben – nicht an die große Glocke, wie das Bolsonaro über die sozialen Medien ständig macht.

In der Pandemie haben beide ähnlich versagt, wenn auch mit unterschiedlichen Strategien: Beide leugnen die Pandemie, kümmerten sich lange nicht um Impfmittel und rieten der Bevölkerung, sich nicht zu isolieren. In Brasilien zahlte die Regierung im ersten Pandemiejahr noch großzügige Sozialhilfen und konnte die Rezession mildern. In Mexiko hielt der Linke die Kassen zu und Mexikos Wirtschaft stürzte ab.

Dennoch unterscheiden sie sich deutlich in ihrem Umgang mit der Wirtschaft. Verkürzt lässt sich sagen: Während Bolsonaro tendenziell eher marktwirtschaftlich auftritt, greift AMLO voll in die Mottenkiste der linken Wirtschaftspolitiken des letzten Jahrhunderts.

Staatskonzerne wie Pemex erleben ein unerwartetes Comeback. López Obrador hat die mühsam durchgeboxte Energiereform wieder zurückgedreht. Ausländische Konzerne, die in nachhaltige Energien investiert haben, erwischt er damit auf dem falschen Fuß. Der Privatwirtschaft steht er gleichgültig bis feindselig gegenüber, der Staat greift wieder überall ein.

Zwar ist auch Bolsonaro beileibe nicht der liberale Reformer, als den er sich im Wahlkampf darstellte, und von seinem Privatisierungsprogramm hat er kaum etwas realisiert. Doch mit etwas Glück könnten die hohen Rohstoffpreise und eine zunehmende Durchimpfung der Bevölkerung Brasiliens Wirtschaft bis zum Jahresende wieder in den Normalmodus bringen. In Mexiko dürften die Investoren vorsichtig bleiben wegen des widrigen Kurses der Regierung, trotz des Nachfragebooms in den USA, von dem die Industrie Mexikos traditionell als Zulieferer profitiert.

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Steht Südamerika vor einem Linksrutsch in der Politik?

Die politischen Ereignisse, Umfragen und Abstimmungen der letzten Wochen lassen diesen Schluss zu: Mittelfristig ist ein Linkstrend in Südamerikas Politik wahrscheinlich. Doch anders als ihre Vorgänger in den 2000er Jahren, wird die neue Generation der Linken weniger Ressourcen zur Verfügung haben.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Derzeit sieht es danach aus, als werde Ecuadors neuer Präsident Guillermo Lasso politisch bald ziemlich einsam sein in Südamerika. Der Banker und wirtschaftsliberale Konservative könnte schon bald bei regionalen Gipfeln mit Kommunisten, Marxisten und ehemaligen Guerilleros als Staatschefs zusammentreffen.

So ist in Peru der Marxist Pedro Castillo der Favorit in den Umfragen für die Stichwahlen am 6. Juni. In Chile ist Daniel Jadue von der Kommunistischen Partei derzeit der aussichtsreichste Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im November. In Kolumbien schließlich führt der ehemalige Bürgermeister und Guerillero Gustavo Petro die Polls für die Wahlen in einem Jahr. Und auch in Brasilien hat derzeit der Ex-Präsident und Arbeiterführer Luiz Inácio Lula da Silva die besten Aussichten, den Amtsinhaber Jair Bolsonaro in eineinhalb Jahren zu schlagen.

Noch ist jedoch völlig offen, wie sich dieser politische Wandel auf die Wirtschaft in der Region auswirken wird. Als die Linke in Südamerika das letzte Mal flächendeckend an die Macht kam, profitierte sie vom Rohstoffboom, der über eine Dekade anhielt und von Öl bis Soja, von Kupfer bis Rindfleisch die ganze Palette an Agro- wie Industrierohstoffen umfasste. Der Exportboom sorgte für volle Devisenkassen und hohe Steuereinnahmen. Das erklärt, warum sich Politiker wie Chávez in Venezuela oder die Kirchners in Argentinien trotz ihrer schwachen Politik so lange erfolgreich an der Macht halten konnten.

Diesmal ist die Ausgangslage anders: Zwar gibt es auch jetzt einen Rohstoffboom. Doch es sieht nicht danach aus, dass der sich zu einem Superzyklus entwickeln wird. Den letzten langen Zyklus für Rohstoffe hatte China ausgelöst mit seiner rasanten Urbanisierung und den Aufstieg seiner Bevölkerung in die Mittelschicht.

Heute dagegen sind die öffentlichen Haushalte schwer im Defizit nach nun eineinhalb Jahren sozialer Ausgleichleistungen und ausgefallener Einnahmen während der Pandemie. Die Wachstumsprognosen fallen durchmischt aus, weil die Corona-Krise noch länger nicht beendet sein wird. Die Impfkampagnen verlaufen nur langsam.

In der Folge schwächeln die Währungen in ganz Südamerika. Zudem sinkt die Bereitschaft der ausländischen Investoren, Kredit zu geben. Die Herabstufung von Kolumbiens Anleihen auf Junk-Niveau letzte Woche sind ein Vorbote dafür, dass mit größerem politischen Risiko auch Südamerikas Kreditwürdigkeit weiter sinken wird.

Die möglicherweise bald an die Macht kommenden linken Regierungen in Südamerika werden also kaum die Verteilungspolitik ihrer Vorgänger in den 2000er Jahren fortsetzen können. Sie müssen mit weniger Ressourcen die sozialen Bedürfnisse einer ärmeren Bevölkerung befriedigen. Nur wenn ihnen das gelingt, werden sie sich an der Macht halten können.

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Chiles Experiment könnte Vorbild für ganz Lateinamerika werden

Es ist zu erwarten, dass die Proteste in Lateinamerika wieder zunehmen. Chile versucht, jetzt mit einer Verfassungsversammlung als Ventil für den aufgeladenen Volkszorn Druck abzubauen. Ob es gelingt, ist offen. Im Andenland beginnt am Wochenende ein spannendes Experiment in Sachen Demokratie.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Chile wählt jetzt eine verfassungsgebende Versammlung. 155 Mitglieder, je zur Hälfte Frauen und Männer, werden dann bis maximal ein Jahr über die neue Verfassung Chiles verhandeln. Dann wird Mitte nächsten Jahres über die revidierte Version per Volksentscheid abgestimmt.

Die Mehrheit der Chilenen hat nach den schweren Protesten 2019 diese Verfassungsänderung gefordert. Viele von ihnen sind enttäuscht: Denn trotz des hohen Wachstums, der verbesserten Sozialindikatoren und der konsolidierten Demokratie seit nun 30 Jahren stört sich die Mehrheit der Chilenen an den fehlenden Aufstiegschancen und der schlechten Grundversorgung durch den Staat. Bei Bildung, Gesundheit und vor allem im Pensionssystem versagt der Staat gegenüber denen, die sich keine private Versorgung leisten können. Es ist abzusehen, dass die neue Verfassung mehr Staat und weniger Marktwirtschaft enthalten wird. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht ein sozialdemokratisches System.

Es geht ihr aber auch um die Modernisierung der Gesellschaft. Chile hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert, was man an den breit diskutierten Themen Scheidung, Abtreibung und Homo-Ehe sieht. Das Vertrauen in Politik, Parteien und Unternehmerschaft, aber auch in Polizei und katholische Kirche hat einen Tiefpunkt erreicht. Dazu beigetragen haben zahlreiche Skandale, die auch das Selbstverständnis einer konservativen, redlichen Elite schwer erschüttert haben.

Verkürzt lässt sich sagen: Während die chilenische Gesellschaft in den letzten zehn Jahren immer liberaler wurde, blieb die Elite verschlossen und konservativ.

Die neue Verfassung ist nun der Versuch, wieder das Vertrauen in die Institutionen und die Demokratie aufzubauen – nicht zuletzt, um das erfolgreiche Wirtschaftsmodell langfristig zu retten. Denn wirtschaftlich spielt Chile in Lateinamerika schon länger in einer höheren Liga.

Wenn es nun gelingt, das Land auch gesellschaftlich per Verfassung zu modernisieren, dann könnte Chile auch politisch ein Vorbild für Lateinamerikas gespaltene Gesellschaften werden.

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Schließt sich das Kreditfenster für Lateinamerika?

Es gibt weiterhin erfolgreiche Börsengänge in Lateinamerika. Konzerne aus der Region bekommen meist problemlos Kredit im Ausland. Das gilt auch für die meisten Staaten. Dennoch sieht es so aus, als würden die Finanzierungen für Lateinamerika schwieriger werden.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Die gute Nachricht zuerst: 20 Unternehmen haben dieses Jahr bereits erfolgreich Ihre Aktien an der Börse in São Paulo lanciert. Das ist mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. In 2020 öffneten an der B3 rekordmäßig 27 Unternehmen ihr Kapital als Aktien bei Initial public offerings (IPO). Bis vor kurzem sah alles danach aus, als würde es dieses Jahr einen neuen Emissions-Rekord geben. Immerhin haben sich jetzt rund 40 weitere Unternehmen angemeldet, die an der Börse Kapital aufnehmen wollen.

Doch – und das ist die schlechte Nachricht – das scheint zunehmend unwahrscheinlich. Rund 30 IPO oder Zweitemissionen wurden dieses Jahr bereits gecancelt. Nur jede fünfter Börsengang hat den Investoren bisher Gewinne gebracht.

Auch sonst sieht es in Lateinamerika derzeit so aus, als könnte sich das Kreditfenster verkleinern. Professionelle Investoren werden zögerlicher, ihr Kapital in Lateinamerika anzulegen. Das ist ein Trend, der schon letztes Jahr begann, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gerade feststellte: Danach war Lateinamerika im vergangenen Jahr bereits die einzige Emerging-Market-Region, in welche die Banken das Anleihevolumen reduziert haben. 39 Milliarden Dollar verlor die Region letztes Jahr, Brasilien verzeichnet davon allein ein Minus von 22 Milliarden Dollar.

Die Investmentbank JP Morgan erwartet, dass die Finanzierungen für Lateinamerika dieses Jahr knapper werden. Lateinamerika-Bonds verzeichnen die stärksten Rendite-Verluste weltweit. In Brasilien, Kolumbien und Peru fallen die Verluste sogar zweitstellig aus seit Jahresbeginn.

Daran wird sich so schnell nicht ändern, so JP Morgan. Die anhaltenden hohen COVID-Infizierungen und langsamen Impfkampagnen werden das Wachstum in Lateinamerika weiter verzögern. Es ist weiterhin möglich, dass eine dritte Welle an Corona-Mutanten in der Region für neue Rückschläge sorgen wird. Zudem steigt die Inflation, wegen hoher Lebensmittel- und Energiepreise. Die Zentralbanken erhöhen die Zinsen und bremsen damit die Konjunktur aus. Die wenigsten Regierungen haben noch finanzielle Spielräume im Haushalt, um die sozialen Folgen der Pandemie abzumildern – und wenn, dann nur auf Kosten weiterer Zinserhöhungen oder steigender Verschuldung.

Auch die zunehmenden politischen Spannungen in fast allen Ländern lassen Lateinamerika-Bonds unattraktiv werden für institutionelle Investoren, so JP Morgan.

Die gute Nachricht für die Region kam gestern aus Washington: Die US-Zentralbank wird nicht so schnell die Zinsen erhöhen. Für Lateinamerika bedeutet das eine Atempause.

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In Politik und Wirtschaft Südamerikas geht trotz Corona der Alltag weiter

Viele Staaten in der Region haben die Lockdown-Maßnahmen wieder verschärft. Trotzdem fanden jetzt in Ecuador und Peru Wahlen statt. In Brasilien versteigerte die Regierung erfolgreich Lizenzen für Flughäfen, Schienentrassen und Häfen.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Peru und Ecuador sind in Südamerika die Länder, die mit am schwersten unter den Folgen der Pandemie leiden. Dennoch haben die Staaten am letzten Sonntag Präsidentschaftswahlen abgehalten. Die völlig unterschiedlichen Ergebnisse lassen keinen Schluss darüber zu, inwieweit der Corona-Virus die politische Landschaft in Lateinamerika verändern wird.

In Ecuador gewann der konservative Banker Guillermo Lasso überraschend deutlich vor dem Linkskandidaten Andrés Arauz. Das freut die Wirtschaft. Sie hofft, dass Lasso von einem Aufschwung der Öl- und Rohstoffpreise profitieren könnte, mit denen Ecuador seine Exporteinnahmen erwirtschaftet. Zudem hat sich das Land erst kürzlich mit dem IWF geeinigt. Dafür wird Lasso zwar die Einnahmen für den Staatshaushalt steigern müssen, aber das hochverschuldete Land zahlt dafür die nächsten Jahre kaum Kredit zurück. Lasso hofft auf das Wohlwollen ausländischer Investoren gegenüber einer liberalen, marktwirtschaftlichen Regierung. Im Kongress hat er nur eine kleine Minderheit der Sitze.

In Peru dagegen ist weiterhin offen, wer das Land regieren wird. Der linke Gewerkschafter Pedro Castillo, der in den Umfragen als chancenlos galt, hat im ersten Wahlgang gewonnen. Keiko Fujimori, bereits zwei Mal knapp gescheitert als Präsidentschaftskandidatin und verstrickt in Korruptionsvorwürfe, wird gegen ihn in Stichwahlen am 6. Juni antreten. Beide Kandidaten haben zusammen nur ein Drittel der abgegebenen Stimmen gewonnen. Es ist völlig offen, was mit dem Andenland geschehen wird, das in den letzten 20 Jahren am stärksten gewachsen ist in Südamerika.

In Brasilien gelang der Regierung in der so genannten „InfraWeek“ erfolgreich ein ganzes Paket an Konzessionen zu versteigern. Rund 600 Millionen Dollar zahlten die Konzerne für die Lizenzen und haben Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar zugesagt.

So boten Unternehmen für die Genehmigungen für den Betrieb von 22 Flughäfen. Zwei Lizenzen gingen an die brasilianische Betreiber-Gruppe CCR und eine an den französischen Konzern Vinci. Die Unternehmen boten hohe Agios auf den Mindestpreis. Mit der Versteigerung werden künftig drei Viertel des nationalen Flugverkehrs in privat betriebenen Terminals abgewickelt.

Die West-Ost-Eisenbahnlinie (Fiol) mit verbundenem Hafen für den Erzexport in Bahia ging an das kasachische Bergbauunternehmen Eurasian Natural Resources PLC (ENRC PLC). Fünf Hafenterminals in Maranhão und Rio Grande do Sul wiederum ersteigerten lokale Gruppen wie Santos Brasil. Es ist erstaunlich, dass Brasilien inmitten des unklaren Wirtschaftskurses der Regierung und der wachsenden politischen Spannungen Investoren für langfristige Projekte gewinnen kann.

Dennoch wurde genau registriert, dass sich zwei Investorengruppen fernhielten. Chinas Konzerne, die bei den Vorbereitungen der Ausschreibungen noch aktiv dabei waren, haben sich anscheinend aus brasilianischen Infrastrukturprojekten zurückgezogen. Auch langfristige Finanzinvestoren wie in- und ausländische Pensionsfonds glänzten durch Abwesenheit, trotz des Mangels an langfristigen Investitionsprojekten und der hohen Liquidität weltweit.

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Brasilianische Virusvariante verbreitet sich rasant in der ganzen Region

In Lateinamerika steigen die Corona-Infektionszahlen stark an. Immer öfter wird die zuerst in Brasilien festgestellte Virusmutation P.1 nachgewiesen. Viele Staaten schließen ihre Grenzen gegenüber Brasilien. Gleichzeitig zeigen sich die Statistiken als wenig zuverlässig: Mexiko ist jetzt plötzlich nach offiziellen Daten das Land mit den meisten Corona-Toten weltweit nach den USA, nicht mehr Brasilien.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

„Wenn Brasilien niest, dann hat Südamerika eine Grippe“ – diese Redewendung galt bisher vor allem für den großen Einfluss, den die brasilianische Wirtschaft auf dem Kontinent hat: Eine Wachstumsschwäche in Brasilien löst demnach oft eine Rezession in den Nachbarländern aus.

Nun gilt der Spruch jedoch auch im engeren Wortsinn: Für die stark ansteigenden Infektionszahlen in Südamerika scheint immer öfter die erstmals in der brasilianischen Amazonasmetropole Manaus nachgewiesene Mutation P.1 zu stecken. In allen Nachbarländern nehmen vor allen in den Metropolen und grenznahen Regionen die Infektionen durch P.1 zu. In Paraguay und Argentinien wiesen die Gesundheitsbehörden sogar erstmals die in Rio de Janeiro nachgewiesenen P.2-Mutante nach.

Argentinien hat jetzt, wie Peru, schon seit langem, alle Flüge aus Brasilien gesperrt – wie auch aus Mexiko und Chile. Doch es scheint, dass die Mutationen auf dem Landweg über die grünen Grenzen von Brasilien aus in die Nachbarländer eingeschleppt werden. Da aber Staaten wie Mexiko, Kolumbien, aber auch Paraguay oder Uruguay weiterhin ihre Grenzen offen lassen für Reisende aus Brasilien, dürfte sich der Virus in den nächsten Wochen schnell weiterverbreiten.

In Chile zeigt sich, dass ein erfolgreiches Impfprogramm auch nicht vor dem neuen Virus hilft. Nach Israel und Großbritannien ist Chile das Land mit einer der höchsten Impfraten weltweit. 36 Prozent der Bevölkerung sind dort bereits einmal geimpft nach den Angaben von Our World in Data aus Oxford. Fast eine Million Menschen werden dort täglich geimpft. Bis Ende Juni will die Regierung 80 Prozent der Bevölkerung immunisiert haben.

Doch im März sind die Infektionsraten wieder stark angestiegen: Mit derzeit im Schnitt 357 Infizierten auf eine Million Einwohner sind die Ansteckungsraten nun wieder so hoch wie in Brasilien, wo bisher aber nur 8 Prozent der Bevölkerung von der Impfkampagne erreicht wurden. Die Behörden vermuten, dass sie zu früh die sozialen Distanzierungsmaßnahmen gelockert haben und sich deshalb in den Sommermonaten der Virus schneller ausgebreitet hat.

Auch auf Uruguay scheint das zuzutreffen. Das Land war monatelang eines der Länder in Lateinamerika, das am schnellsten auf die Pandemie reagiert hatte und die Zahlen der Infizierten wie der Toten niedrig halten konnte. Doch das hat sich geändert: Uruguay hat derzeit eine der höchsten Ansteckungsraten weltweit mit 730 Infizierten auf eine Million Einwohner. Das könnte daran liegen, dass Uruguay ein beliebtes Sommer-Ferienziel für die Nachbarländern ist.

Dass die Corona-Statistiken oftmals nicht die Realität wiederspiegeln, zeigt das Beispiel Mexiko: Das mexikanische Gesundheitsministerium revidierte am 29. März die veröffentlichten Daten zur Pandemie und gab an, dass die Zahl der durch das Coronavirus verursachten Todesfälle 60 Prozent höher ist als zuvor gemeldet. Mehr als 321.000 Menschen seien bereits an Covid-19 gestorben. Damit würde Mexiko in Lateinamerika sogar Brasilien überholen und wäre nach den USA weltweit die Nummer 2 auf der Liste der Länder mit den meisten Todesfällen in der Pandemie.

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Lateinamerikas Politiker kommen zunehmend unter Druck wegen Corona

In mehreren Staaten der Region beginnen die Menschen wegen des schlechten Krisenmanagements ihrer Regierungen unzufrieden zu werden. In Paraguay könnten die Proteste zum ersten politischen Regierungswechsel wegen Corona führen. Vielfach nutzen Politiker die Corona-Krise, um Gesetze durchzuboxen, die vor allem ihren eigenen Interessen dienen. Rechte wie linke Populisten gewinnen an Popularität. Die politische Mitte verliert.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

In den Nachbarländern beobachten die Politiker und Regierung genau, was gerade in Paraguay geschieht. Dort könnte bald ein Impeachment-Verfahren gegen Präsident Mario Abdo Benítez eingeleitet werden. Seit Tagen protestieren Menschen wegen des herausgezögerten Impfbeginns und der Korruption in den staatlichen Gesundheitsbehörden. Die Situation ist unberechenbar, die Lage unübersichtlich.

Auch im Rest des Kontinents steigt die Spannung. Noch ist es eher ruhig, was auch an den Lockdowns und sozialen Distanzmaßnahmen liegt, die Massenproteste erschweren. Doch das kann sich jeden Moment ändern. Denn der Verdruss über die Politiker steigt.

So steuert Brasilien gerade auf 3000 Corona-Tote am Tag zu. Doch Regierung wie Kongress kümmern sich vor allem um sich selbst: Die Politiker versuchen die Ablenkung der Menschen zu nutzen, um im Kongress Gesetzespakete durchzuwinken, mit denen sie sich Privilegien und Schutz vor der Justiz sichern wollen.

Auch in Argentinien versucht die Vize-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner durch Eingriffe in die Justiz, Straffreiheit für sich und ihre Familie zu garantieren. Gegen sie laufen mehrere Korruptionsverfahren. Gleichzeitig stockt die Impfkampagne. Zudem haben sich mehrere Dutzend führende Politiker impfen lassen.

Das gleiche ist in Peru passiert – das Land, das am stärksten unter der Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen in Südamerika leidet. Dort sind ebenfalls Regierungspolitiker als Impfdrängler aufgeflogen. Die Enttäuschung von der Politikerkaste könnte im Andenland auch einen rechtspopulistischen Kandidaten bei den Wahlen am 11. April begünstigen.

In Bolivien hat die Justiz nach den Gemeinde- und Regionalwahlen die frühere Übergangspräsidentin Jeanine Áñez sowie mehrere ihrer Ex-Minister unter dem Vorwurf des „Terrorismus“ und des „Aufruhrs“ festgenommen. Bei den Wahlen hat die Partei des Präsidenten Luis Arce schwach abgeschnitten und scheinbar hofft die Regierung, mit den Maßnahmen gegen die Vorgängerregierung bei den Stichwahlen noch wichtige Wahlbezirke und Gemeinden zu gewinnen. Die Europäische Union forderte Bolivien auf, die Gewaltenteilung zu respektieren.

Zu Beginn des Wahlzyklus in Lateinamerika hat es den Anschein, dass die Pandemie mit ihren schweren sozialen Folgen sowie der Wirtschaftskrise zu einer noch stärkeren Polarisierung in der Politik führt. Derzeit sieht es so aus, als hätten Kandidaten und Politiker aus der politischen Mitte weniger Chancen bei Wahlen oder schlechte Aussichten, Mehrheiten zu versammeln. Rechte wie linke Populisten oder Anti-Establishment-Vertreter führen in der Gunst der Wähler.

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