Die Interamerikanische Entwicklungsbank steht vor dem Führungswechsel

In den nächsten Tagen wird über die neue Präsidentschaft der führenden Entwicklungsbank für Lateinamerika entschieden. Das ist wichtig: Die IDB braucht neue Motivation und dringend einen Energieschub.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Am Sonntag wird das Präsidium (Board of Governors) der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) die neue Präsidentschaft für die nächsten fünf Jahre wählen. Das ist eine zentrale und wichtige Entscheidung für die Region.

Mit einer Kreditvergabe von 23,4 Mrd. Dollar 2021 ist sie neben der Weltbank und der Lateinamerikanischen Entwicklungsbank CAF der wichtigste multilaterale Finanzier für die Region. Neben den USA, die mit 30 Prozent Anteilen das Sagen haben, sind Brasilien und Argentinien mit elf Prozent Stimmanteil die einflussreichsten Mitglieder. Aber auch Deutschland etwa ist mit 1,9 Prozent an der Bank beteiligt, Japan hält fünf Prozent.

Es ist völlig offen, wer das Rennen machen könnte: Aus Brasilien bewirbt sich Ilan Goldfajn, der in Washington beim Internationalen Währungsfonds (IWF) derzeit federführend für Lateinamerika zuständig ist. Viele halten ihn wegen seiner Erfahrungen als Ex-Zentralbankchef in Brasilien und an der Spitze führender privater Banken als den geeigneten Kandidaten. Ob Brasiliens gerade gewählter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva dessen Kandidatur unterstützt, bleibt unklar.

Nicolás Eyzaguirre Guzmán, ehemaliger chilenischer Finanzminister und Vorgänger Goldfajns beim IWF, hat ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen. Er hat mit Links-Mitte-Regierungen in Chile gearbeitet und gilt deswegen als ein geeigneter Gesprächspartner für die neuen linken Regierungen in Südamerika. Auch Mexiko, Trinidad und Tobago sowie Argentinien haben Kandidaten ernannt.

Die Wahl findet nur zwei Jahre nach der letzten statt. Der von Präsident Donald Trump fast im Alleingang durchgesetzte Mauricio Claver-Carone musste seinen Posten räumen, weil er gegen die Compliance-Regeln verstoßen hat. Nach einem Untersuchungsbericht der Bank, soll er ein Verhältnis mit einer Mitarbeiterin gehabt haben, der er zudem zwei kräftige Gehaltserhöhungen in einem Jahr genehmigt haben soll.

Die Ernennung des US-Amerikaners Claver-Carone 2020 widersprach der ungeschriebenen Regel, die seit der Gründung 1959 eingehalten wurde: Die Präsidenten kamen immer aus Lateinamerika – das Sagen in der Bank mit Sitz in Washington haben jedoch vor allem die USA. Trump brach die Regel mit Unterstützung Brasiliens, das von Präsident Bolsonaro regiert wurde.

Claver-Carone war angetreten, die bürokratische, teure und mit politischen Seilschaften durchsetzte Bank neu auf die Beine zu stellen. Er scheiterte jedoch vor allem, weil er in Lateinamerika keine Netzwerke besaß und sich in der Region kaum auskannte.

Für Lateinamerika wäre nun eine agilere, risikobereitere Entwicklungsbank, die zudem mit größerem Kapital ausgestattet würde, ein Gewinn. Kompetente Bewerber für das Amt an der Spitze des wichtigsten multilateralen Geldgebers gibt es diesmal.

Dollars
© Pixabay/pasja1000

Weitere News dieser Kategorie

Aus Brasilien kommen positive Signale für die Demokratien weltweit
Lateinamerikas Wirtschaft gerät in den Sog der kriselnden Weltwirtschaft
Die Wahlen in Brasilien haben die politische Landkarte Lateinamerikas bereits verändert