Schnellere Post-Pandemie-Erholung der Region

Der Internationale Währungsfonds hat überraschend stark die Wachstumsprognosen für Lateinamerika in diesem Jahr angehoben. Brasilien und Mexiko jedoch enttäuschen. Ab 2022 fällt das Wachstum in der ganzen Region wieder etwas zurück.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

Die Wachstumsaussichten haben sich für Lateinamerika deutlich verbessert – prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuesten World Economic Outlook. Dabei hat der Fonds die Prognosen für Lateinamerika im Vergleich zum April am stärksten weltweit angehoben. Mit 6,3 % Wachstum in diesem Jahr wird Lateinamerika etwa so schnell wie der Durchschnitt der Emerging-Markets weltweit zulegen. Der Grund sind vor allem die hohen Rohstoffpreise und die inzwischen schon recht fortgeschrittenen Impfkampagnen in den Ländern. In Brasilien, wo die Bundesregierung lange Zeit die Impfkampagne verzögerte, sind inzwischen mehr Menschen mindestens einmal gegen Corona geimpft als in Deutschland.

Chile (11 %), Peru (10 %), Kolumbien (7,6 %) und Argentinien (7,5 %) werden dieses Jahr die Erholung unter den größeren Ökonomien in der Region anführen. Enttäuschend fallen jedoch die Prognosen für Brasilien aus: Dieses Jahr wächst die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas noch 5,2 %, für 2022 rechnet der IWF nur noch mit einem Plus von mageren 1,5 %. Auch Mexikos Ökonomie wird dieses Jahr mit 6,2 % und 4 % 2022 unterdurchschnittlich zulegen.

Insgesamt trüben sich die Aussichten für ganz Lateinamerika für das kommende Jahr ein: Mit 3 % für ganz Lateinamerika bildet die Region das Schlusslicht unter den Weltregionen auf der Skala der Wachstumsprognosen. Kolumbien (3,8 %), Peru (4,6 %) und Mexiko (4 %) werden – so die Prognosen des IWF – überdurchschnittlich wachsen.

Die größten Risiken, welche der IWF für das Wachstum in den nächsten Jahren sieht, gelten besonders in Lateinamerika: Das ist einerseits das Risiko neuer Corona-Variationen, welche neue Lockdowns notwendig machen könnten. Die Lücken zwischen Angebot und Nachfrage bei vielen Gütern und Dienstleistern – von Lebensmitteln über Gas bis zu Lkw-Fahrern und Halbleitern – könnte ebenfalls zu Wachstumseinbußen führen. Die wachsende Inflation – die in Lateinamerika mit 9,3 % in diesem Jahr deutlich über dem Durchschnitt der Emerging-Markets (5,5 %) liegt, belastet die Konjunktur. Und nicht zuletzt können sich soziale Spannungen und Wahlen (in Argentinien, Chile, Kolumbien, Brasilien in den nächsten zwölf Monaten) bremsend auf die Volkswirtschaften auswirken.

COVID-19 in Latin America

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