Lateinamerikas Regierungen ohne Plan, wie es weitergehen soll

Nach dem ersten, teilweise erfolgreichen Krisenmanagement reagieren die Regierungen in Lateinamerika zunehmend chaotisch: Sie stehen vor dem Dilemma, dass sie die Wirtschaft wieder in Gang bekommen wollen, aber dass das wegen der noch zunehmenden Infizierungen riskant ist. Sicher ist, dass die Staaten sich zunehmend verschließen werden. Eine regionale Integration scheint in der nächsten Zukunft unwahrscheinlich.

von Alexander Busch, Lateinamerika-Korrespondent für Handelsblatt und NZZ

 

In wenigen Tagen hat sich in den meisten Staaten Lateinamerikas die Gesundheitssituation dramatisch verschlechtert. In vielen Ballungszentren der Region sind die Krankenhäuser und Erste-Hilfe-Stationen überfüllt. Auch wenn die Zahlen wegen der unterschiedlichen Erhebungen schwer vergleichbar sind, ist doch der Trend klar: Die Zahl der Infizierten und damit Toten legt noch weiter zu. Das gilt auch für Staaten, wie Argentinien oder Peru, die bereits sehr früh mit harter Isolationspolitik reagiert haben. Es dürfte Länder wie Brasilien oder Mexiko noch heftiger treffen, deren Regierungen zögerlich reagierten und die Pandemie weiterhin herunterspielen.

Für die ganze Region gilt: Es zeigt sich, dass die Regierungen keine Pläne haben, wie sie mit der öffentlichen Gesundheitskrise und den wirtschaftlichen wie sozialen Folgen umgehen sollen. Die neu gewonnen Popularität, die einige Präsidenten zu Beginn der Krise aufbauen konnten – die könnte sich bald auflösen. So wie in Peru, wo die arbeitslosen Menschen trotz der strikten Isolationspolitik versuchen, aus den Städten zu fliehen, weil sie dort nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen können.

In Brasilien agiert die Regierung chaotisch. Sie löst ständig neue politische Krisen aus, aber hat keinen nationalen Plan für den Notstand. Brasília hat die Krisenbewältigung weitgehend den Gouverneuren und Bürgermeistern überlassen. Auch in Mexiko hat die Regierung bisher keine Maßnahmen zur Linderung der Folgen für die Wirtschaft aufgelegt, dabei stürzt diese gerade heftig ab.

Angesichts der Hilfslosigkeit wenden die Regierungen die in Lateinamerika längst als überwunden geglaubten Rezepte an: Sie machen die Grenzen zu, stoppen jede regionale Zusammenarbeit. So ist Argentinien jetzt für weitere Integrationsverhandlungen aus dem Mercosur ausgetreten. Damit ist das Ende des Mercosur in der heutigen Form eingeleitet. Argentinien bewegt sich mit dem absehbaren Zahlungsstopp auf die Auslandsschulden damit wieder auf eine Isolation zu, wie bereits von 2002 bis 2015.

Unternehmen und Investoren sollten sich in Zukunft in Lateinamerika auf nationale, durch Zölle geschützte Märkte einstellen, mit der damit einhergehenden Bevorzugung und Subvention nationaler Unternehmen.

COVID-19 in Lateinamerika

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